Angedacht

Ein Wort im Kornfeld

Nicht die Bibelstellen machen mir Probleme, die ich nicht verstehe, sondern die, die ich verstehe. Von Mark Twain stammt dieser Satz und nicht nur mir geht`s oft genauso. Zu diesen Stellen gehört die Bergpredigt von Jesus mit ihren krassen Aussagen. Und weil schon damals den Leuten alles zweimal gesagt werden musste, hatte Jesus die wichtigsten Aussagen wiederholt. Auf einem abgeernteten Kornfeld fand dies statt - deswegen wird diese zweite Predigt auch "Feldpredigt" genannt. Er sagte: Liebt eure Feinde! Segnet, die euch fluchen! Richtet nicht über andere usw. Lest es am besten mal nach - Bibel, Lukasevangelium, Kapitel 6. Ein Satz zwischendrin fasst alles zusammen und sagt zugleich, warum wir so leben können: „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist“. Barmherzig - das Wort kennt heutzutage kaum einer. Es meint: Mein Herz öffnen für die Not anderer Menschen und, wenn es möglich ist, ihnen zu helfen. Doch macht sich nicht immer mehr die Unbarmherzigkeit breit? In der großen Politik wie im kleinen Alltag und in den asozialen Medien erst recht? Immer wieder geschieht das, wovor Jesus seine Leute gewarnt hat: Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr? Das, was bei anderen schiefläuft, wird sehr schnell gesehen und die eigenen Fehler werden übersehen. „Seid barmherzig, wie auch Gott, euer Vater barmherzig ist“ sagt Jesus. Wie kann das gehen? Der Schlüssel liegt im zweiten Teil dieses Satzes: „..wie auch euer Vater barmherzig ist“. Gott, der Vater, kam in Jesus in unsere Welt, um uns Menschen aus dem Schlammassel unserer Unbarmherzigkeit zu retten. Weil er jeden von uns liebt. Zu Weihnachten haben wir es gefeiert. Das wir versöhnt und barmherzig miteinander leben können ist möglich. Denn Jesus nahm am Kreuz alle unsere Schuld auf sich. „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist“ - das ist kein Appell nach dem Motto: Nun reiß dich endlich mal zusammen. Sondern das ist die liebevolle Einladung von Jesus: Du darfst ein Kind des Vaters im Himmel sein, egal wie weit du bisher von ihm entfernt warst. Seine Liebe kann uns verändern. Wie Gott mir, so ich dir – so geht barmherzig.

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Ralf Gotter
Vorsitzender
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